Unter dem Datum 30. September 1883 ist erstmals im Kassenbuch des damaligen “Baugesellenvereins” (heute Handwerkerverein Staufenberg) ein Eintrag zu finden, wonach eine Musikkapelle aus Staufenberg für einen Auftritt beim 25-jährigen Stiftungsfest des Bau-Verein-Lichtenthal (heute Stadtteil von Baden-Baden) 14 Mark erhalten hat. Damit ist belegt, dass aus dem Handwerkerverein Staufenberg nicht nur der Gesangverein “Frohsinn”, sondern auch der Musikverein “Harmonie” hervorging. Die Mitglieder dieses damaligen “Baugesellenvereins” trafen sich monatlich zu Versammlungen, die dem geselligen Beisammensein dienten, wobei mit der Zeit eben gesungen und musiziert wurde. Dieses Dokument und eine weitere Aufzählung von musikalischen Aktivitäten in der Folgezeit war Anlass, dem Musikverein “Harmonie” Staufenberg im Jahre 1983 die PRO MUSICA-Plakette zu verleihen. Diese Auszeichnung wurde für 100 Jahre Blasmusik in Staufenberg, durch den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens in Arnsberg einer Abordnung des Vereins überreicht.

Nachdem sich also im Jahre 1883 einige Mitglieder des Baugesellenvereins (heute Handwerkerverein) Staufenberg zu einer wohl kleinen Musikkapelle zusammengefunden haben, finden wir in den folgenden Jahren immer wieder Hinweise in Kassenbüchern, dass diese Musiker das kulturelle Leben in Staufenberg mitgestaltet haben. So z.B. belegt auch ein Zeitungsbericht in der Tageszeitung “Der Murgthäler”, dass am 1. Juli 1889 das 25-jährige Jubiläumsfest des Baugesellenvereins Staufenberg gefeiert wurde. Der Festumzug wurde mit Musik durch den Ort geleitet, die Staufenberger Musiker wurden von der Militärkapelle des Infanterie-Regiments “von Lützow” aus Rastatt unterstützt. Dafür hatte der Kassier des Baugesellenvereins immerhin die stolze Summe von 57 Mark und 20 Pfennigen zu bezahlen.

In den folgenden Jahren finden wir immer wieder Kassenbucheinträge, wonach die Staufenberger Musiker für ihr Musizieren bei verschiedenen Anlässen entlohnt wurden. Bei Vereinsausflügen der Bauhandwerker, oder bei Kirchgängen (nach Gernsbach), bei Feiern zu “Kaisers Geburtstag” oder dem Geburtstag des Großherzogs von Baden, bei “Christbaumfeiern” oder bei “Abendunterhaltung mit Tanzkränzchen” war die Kapelle gefragt. Am 2. Dezember1894 erhielten die Musiker vom Baugesellenverein ein Darlehen über 65 Mark zur Anschaffung von Instrumenten, jährlich mußten dafür 3 Mark und 25 Pfennige Zinsen bezahlt werden, was ebenfalls den Kassenbüchern zu entnehmen ist.

Ein großes Ereignis fand wohl am 17. Juli 1905 in Staufenberg statt, wie in einem Artikel des “Murgthäler” zu lesen ist. Der Veteranenverein Staufenberg, der 1864 als einer der ersten im badischen Land von 42 ehemaligen Soldaten gegründet wurde, hat eine neue Vereinsfahne geweiht, was mit einem großen Fest gefeiert wurde. Auch hier hat die Staufenberger Kapelle, wiederum verstärkt durch Militärmusiker, den Festzug angeführt und natürlich auch zur Unterhaltung musiziert.

Unter dem 12. September 1905 finden wir in einem Zeitungsausschnitt den Hinweis, dass sich zum Geburtstag des Großherzogs von Baden ein großer Zug von Staufenbergern nach Gernsbach in Bewegung setzte, es ging zum Festgottesdienst. Mit der Musikkapelle und Spielleuten an der Spitze trafen sämtliche “Veteranen” (alte Soldaten), der Gesangverein “Frohsinn” und der Baugeselleverein in Gernsbach ein. Nach dem Gottesdienst ging es wieder zurück in “heimische Gestaden” in das Gasthaus zum “Grünen Baum” (heute Fa. Krassa). Dort wurde bei “sinnreichen Liedern des Gesangvereins und allgemeinen Gesängen unter Begleitung der wackeren Musikanten” ein Frühschoppen eingenommen.

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